Geschichte der Plastischen Chirurgie
3000 v.Chr. Zeit der Ägypter
Für die Ethik der Ägypter war es bezeichnend, dass Kranke mit Mißbildungen oder sonstigen sichtbaren Krankheitszeichen nicht dem Spott ausgesetzt waren, sondern dass ihnen eine besondere Fürsorge galt. Dieses ethische Prinzip zeigt die hohe Wertschätzung des Individuums. In dieser ältesten Quelle finden sich Wurzeln der heutigen Definition von Gesundheit und Krankheit der WHO.
1786 - 1728 v.Chr. König Hammurabi
Verhaltenscodex für Ärzte des Königs Hammurabi. Es galten sehr strenge Regeln. Dem Arzt, der an einem Edelmann eine Operation mit dem Bronzemesser durchgeführt hatte, infolge der der Pateint verstarb, wurde die Hand abgeschlagen.
460 - 375 v.Chr. Hippokrates
Im 5.Jahrhundert vor Chr. werden die Pflichten des Arztes im Eid des Hippokrates definiert - der bekannte Eid, der bis heute in unserer Gesellschaft fortwirkt. Die Urheber des Eides waren von der Sekte der Pythagoräer beeinflußt. So wurde in dieser frühen Fassung das Schneiden (Operieren) als Therapiemethode abgelehnt.
Hippokrates , der Begründer der griechischen Heilkunde, begründete die rational-empirische Medizin - weg von der Tradition der an die Religion gebundenen theurgischen Medizin. Im Corpus hippocraticum wurde erstmals der Terminus CHIRURGIE, bestehend aus den griechischen Worten CHEIR (Hand) und ERGON (Arbeit) verwendet.
25 v.Chr. - 50 n.Chr. Kaiser Augustus
In dieser Zeit lebte der vermögende Landbesitzer Aulus Cornelius Celsus, der eine ausführliche Darstellung verschiedener Wissensgebiete von praktischer Bedeutung verfasste. Unter den noch erhaltenen 8 Büchern befasst sich eines mit Medizin: ein Kapitel trägt den Titel "CHIRURGIA CURTORUM ". CURTUM meint umfassend Verstümmelung, wie z.B. Lücken, Defekte, Hasenscharten. Celsus beschreibt erstmals die Bildung von vollständig umschnittenen, noch mit den darunter liegenden Gewebsschichten verbundenen Hautlappen. Er gilt als Erstbeschreiber der Plastischen Chirurgie.
129 - 200 n. Chr. Galenos Galen
Griechischer Arzt in Pergamon und Rom, er fasste in seinen Schriften die gesamte antike Heilkunde zusammen. Bis in 16.Jahrhundert galt er als medizinsche Autorität.
Galen fordert, ein vorzüglicher Arzt müsse auch Philosoph sein, d.h. ein Freund der Weisheit. Die Schönheit des Körpers aufgrund der Symmetrie seiner Teile im Verhältnis aller zueinander ist ebenso Sache von Ärzten wie von Philosophen - dieser Aussage Galens liegen anatomische Präparationen zugrunde.
980 - 1037 Ibn Sina Avicenna
Avicenna ( arabischer Arzt und Philosoph) fasste die gesamte damals griechisch-römische Medizin (einschlieslich der Chirurgie) in dem 5-bändigen Kanon der Medizin zusammen. "Wer nicht Medizin und Anantomie kennt, ist unfähig."
1224 Neapel
Unter dem Staufer Friedrich II. wurde in Neapel die erste als staatlich zu bezeichnende Universität des westeuropäischen Mittelalters gegründet, in der neben griechisch-römischem auch indisch-arabisches Wissen gelehrt wurde. In Neapel war erstmals die CHIRURGIE Lehrfach der Medizin. Die Zulassung von Ärzten war nach fünf Studienjahren von einer Prüfung abhängig. ( Erinnert an heute!)
1452 - 1519 Leonardo da Vinci
Leonardo da Vinci, dem humanistisch geprägten Schönheitsideal in Malerei und Bildhauerei verpflichtet, studierte ausführlich die menschliche Anatomie. Erstbeschreibung der Kieferhöhle! Seine Analyse der Körperproportionen wurde Grundlage des klassischen Schönheitsideals.
1597 Gaspare Tagliacozzi
Gaspare Tagliacozzi ( geb. 1545 in Bologna) lenket den Blick auf die Psyche des durch sichtbare Defekte entstellten Menschen. Mit seinem 1597 veröffentlichten Werk "DE CURTORUM CHIRURGIA PER INSITIONEM", dem Grundstein der modernen plastischen Chirurgie, liefert er die wissentschaftliche Begründung für Operationen, wie seine Vorgänger sie bereits seit 150 Jahren praktiziert hatten.
Die Abbildungen aus Tagliacozzis Schrift werden immer wieder zum besseren Verständnis der Wiederherstellung eines durch Verlust der Nase entstellten Gesichtes gezeigt; durchgeführt in einer Epoche vor Entdeckung der Antisepsis und der Anästhesie.
1792 - 1847 Johann Friedrich Dieffenbach
Mit seinem zweibändigen Werk "OPERATIVE CHIRURGIE" hat Johann Friedrich Dieffenbach der plastischen Chirurgie das entscheidene Fundament gegeben und gleichzeitig auch ihren Horizont wesentlich erweitert. Er hat als erster die plastische Chirurgie, so wie wir sie heute kennen, als ein eigenständiges, nicht nur auf eine Körperregion begrenztes Gebiet definiert. Er führte die erste Operation des Schielens durch und vervollkommnete die Methoden der Sehnen-und Muskeldurchschneidung und der Blutübertragung. Seine Abhandlung "Der Aether gegen den Schmerz" von 1847, mit der er die Äthernarkose in Deutschland einführte, gilt als Meilenstein der deutschen Anästhesie.
1867 - 1937 Erich Lexer
Pionier der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie. Er beschäftigte sich besonders mit der Rekonstruktion von Nase, Ohr, Mund und Kiefer, den Mammaplastiken und ihren Modifikationen sowie den Gesichtsplastiken und den Gaumenspaltenoperationen. 1906 äussert sich Lexer erstmalig über seine Methode der Gesichtsstraffung. Seitdem sind Verfeinerungen und Verbesserungen dieses "Standard-Facelifts" kontinuierlich entwickelt worden.
